Alles im Fluß

die Menstuation und ihre Störung im Lichte es Ayurweda

Jeden Monat wieder leiden sehr viele Frauen, wenn nicht die meisten Frauen, in der deutschsprachigen Welt an Menstruationsstörungen. Angeblich gibt es Völker, deren Frauen wesentlich seltener an Menstruationsstörungen leiden, aber wer weiß, ob das stimmt?

Woran erkennt man eine Menstruationsstörung?

Eine gesunde Menstruation hat laut Ayurveda die folgenden Eigenschaften:

  • Sie fließt regelmäßig in einem individuellen, gleichmäßgen Zyklus von 26 bis 32 Tagen.
  • Das Blut ist hellrot
  • Die Blutung dauert zwischen 2 und 7 Tagen, im Durschschnitt 5 Tage
  • Flecken auf der Kleidung lassen sich leicht wieder entfernen (schwer entfernbare Flecken sind sie ein Hinweis auf Soffwechselschlacken, genannt Aama)
  • Das Blut riecht nicht unangenehm.
  • Sie bereitet keine Beschwerden.

Natürlich kommen solche Patientinnen nicht in meine Praxis, aber meine Mutter, die tatsächlich aus einem anderem Kultur- und Volkskreis stammt, ist ein wunderbares Bespiel für eine gesunde Menstruation. Ihr erstes Kind, mich, gebar sie mit noch nichtmal 20 Jahren, ihr letztes mit 42 Jahren, dazwischen ein weiteres Kind. Sie hatte nie irgendwelche Beschwerden mit der Menses und die Menopause bemerkte sie nur, weil die Periode ausblieb. Menstruationsstörungen kennt sie nur aus Erzählungen.

Leider ist dies die Ausnahme und nicht die Regel der Regel. Die Frauen, die zu mir kommen haben meist eine lange Leidensgeschichte und Diagnosen wie Dysmenorrhö (schmerzhafte Periode), Amenorrhoe (Ausbleiben der Blutung), Hypermenorrhö (zu starke Blutungen), Menorrhagie (zu viel und zu lang anhaltende Blutung), Metrorrhagie (Zwischenbltungen) oder Polymenorrhö (zu häufige Blutungen). Die vielen weiteren Menstruationsbeschwerden wie zu wenig Blut (Hypomenorrhö) oder Oligomenorrhö (seltenere Blutung) oder eine zu frühe Menopause, werden oft nicht als gesundheitliche Störung wahrgenommen und sind häufig nur Zufallsbefunde.

Die Modemedizin findet viele Erklärungen für die Menstruationsstörungen von gestörten Hormonspiegeln, Myomen, polizystischen Eierstöcken, entzündungsbedingten Adhäsionen, von Untergewicht bis Übergewicht. Das Problem ist nur, dass diese „Begründungen“ auch nur Symptome und keine Ursachen sind.

Ayurveda hat eine eigene Fachrichtung für Störungen der Reproduktionsbiologie, genannt Vajjikaran Chikitsa (Vaji = Pferd). Diese kümmert sich um die Shukra Dhatus, also die Gewebe des reproduktiven Systems.

Generell gilt, dass für eine gute Gesundheit die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha im Gleichgewicht und am richtigen Ort sein müssen. Die Shrotasas (hier speziell Aartav Vaha Shrotas), also Leitungsbahnen, müssen frei sein um die Dhatus zu nähren und die Agnis (alles Stoffwechselprozesse) müssen im richtigen Maß und zur richtigen Zeit ablaufen. Das ist hier besonders wichtig, denn Shukra Dhatu ist das letzte der 7 Dhatu (Gewebe) und kann nur gebildet werden, wenn alle anderen Dhatus gesund sind.

Neben der Symtomatik, gibt die Pulsdiagnose wichtige Hinweise auf die vorliegende Störung der Doshas und darauf wie tief die Ursachen liegen. Bei Dysmenorrhö beispielsweise findet man meist einen sehr hohen Pitta- und Vatapuls mit Vata in Unordnung. Der Blutfluss im Puls ist ungleichmäßig.

Ayurwedisch werden Menstruationsstörungen in drei Hauptgruppen unterteilt:

Vata – Störung

Bereits vor Beginn der Periode klagen Patientinnen über starke Schmerzen im Unterleib (Dysmenorrhö) und im unteren Rücken. Oft geben Sie an ein Völlegefühl, Verstopfung und Krämpfe und Schlafstörungen zu haben. Ein Heißhunger für Süßes und oder Salziges ist auch häufig. Manchmal bleibt die Periode aus (Amenorrhö) oder der Blutfluss ist gering (Hypomenorrhö), enthält Blutgerinnseln, ist dunkel. Ein gestöres Vata kann auch zu längern Zyklen (Oligomenorrö), ungleichmäßgen Zyklen und Zwischenblutungen (Metrorrhagie) führen.

Die Natur von Vata ist trocken, kalt und unruhig, deshalb empfiehlt sich eine Bauchmassage im Uhrzeigersinn mit warmen Rizinusöl. Kräuter wie Ashwagandha, Vidari und Tagar können zum Einsatz kommen, um Vata zu regulieren und in die richtige Richtung, nach unten, zu lenken.

Pitta – Störung

Das wohl auffälligste Symtom der Pittastörung ist die emotionale Reizbarkeit oder „schlechte Laune“. Empfindliche Brüste, geschwollene Schleimhäute und manchmal sogar Brennen beim Wasserlassen, Hitzewallungen und Entzündungen zeigen, dass Pitta in seiner Funktion gestört ist. Die Pittastörung führt zu einer Hypermenorrhö, also einer zu starke Blutung. Oft kommen Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall hinzu. Gelüste auf süße und scharfe Speisen sind nicht selten.

Da Pitta heiß und feucht ist, ist die Behandlung trocken und kühl. Ein kühlendes Öl ist das Kokosöl. Es kann liebevoll auf den Unterbauch und die Brüste aufgetragen werden. Bei Kopfschmerzen empfiehlt sich ein Nasenöl (Nasya). Kaffee, Alkohol, Leistungssport und scharfes Essen verschlimmern die Symptome. Kühlend und ausgleichend sind Rosenblättertee, Löwenzahn, Brennnessel, Ghee (Butterschmalz), Haferflocken, Datteln, Kokoswasser, Brombeeren und Himbeeren.

Kräuter wie Shatavari, Brahmi, Aloe vera, Kurkuma und Manjista können Pitte beruhigen.

Kapha – Störung

Kapha ist in seiner Eigenschaft träge, schwer und kühl. So zeigt sich auch eine Kaphastörung in der Periode. Der Körper wird schwer, träge und oft verschleimt. Wasser lagert sich ein. Die Brüste sind schwer und schmerzhaft. Nicht selten hat man Blähungen, eine träge Verdauung, sucht nach Essen, vor allem nach Süßigkeiten und schwerem, öligen Nahrungsmitteln. Die Blutung fängt sehr langsam an und enthält gerne größere Blutgerinnsel, bleibt aber eher moderat. Auch Endemetriose ist zum größten Teil eine Kaphastörung.

Abhilfe schafft hier Bewegung, Tanz, dynamische Yoga Asanas, Bürstenmassagen und Abhyanga mit Mandelöl. Essen Sie Scharfes, Bitteres und Astringierendes (Zusammenziehendes).

Ashwagandha, Gokshura, Ingwer, Trikatu können hilfreich sein. Hagebutten-, Brennnessel, Ingwer- und Orangentee sind hilfreich. Auch frischer Zitronensaft reduziert das Kapha.

Leider ist es nicht immer ganz einfach zu sagen welche Doshastörung vorliegt, denn oft ist nicht nur ein, sondern mehere Doshas außer Rand und Band. Um das zu klären, wird ein Vaidya eine genaue Anamnese machen und sich nicht nur auf die Periode konzentrieren, denn auch andere gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten, sind in der Behandlung wichtig.


Entstehung der Störungen:

Falsche Lebens- und Essgewohnheiten, das Klima oder der Alternungsprozess führen dazu, dass sich ein oder mehrere Doshas erhöhen. Man kann nicht immer genau sagen was und wann sie entstehen, denn wir sind Menschen und werden nie immer alles richtig machen. Wirkt man ungewollten Einflüssen nicht entgegen, stauen sich die Doshas auf, bis sie „überlaufen“. Dann verlassen Sie ihren angestammten Sitz und sammeln sich im Unterleib.

Modemedizinisch gesprochen kann man sagen, dass Anspannung und Stress den Hypothalamus und die Hypophyse, die für die Releasing (Freilassen) Hormone und Inhibiting (Hemmende) zuständig sind, beunruhigen.

Ihr Vaidya wird Ihnen vielleicht ein Shiro Dhara, also einen Stirnguss verordnen. Je nach seiner/ihrer Diagnose kann er aus einem Kräutergemisch oder einem Öl-Kräuter-Gemisch bestehen. Das hilft diese Hirndrüsen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Es hilft natürlich auch Meditation, Spaziergänge im Wald und Sport, um Stresshormone abzubauen und Geschlechtshormone zu regulieren.

Manchmal sind Umweltfaktoren mitverantwortlich, so z. B. wirkt sich das Natriumfluorid in Zahnpasta und Salz direkt auf die Zirbeldrüse (Epiphyse) aus, die auch eine Funktion im Hormonsystem hat. So kann eine sexuelle Frühreife auf eine Sekretionsstörung dieser Drüse zurückgeführt werden. Werden deshalb unsere Kinder immer früher Geschlechtsreif? Welchen Einfluss hat Fluor auf die Menstruation? Wir wissen es nicht! Eine Möglichkeit wäre natürlich Natriumfluorid wegzulassen, denn es gehört ja nicht dorthin. Dass es die Zähne verbessert wurde bereits vor mehr als 20 Jahren widerlegt.

Bestimmte Medikamente wie Steroide oder Blutverdünner, können die Menstruation stören, aber auch Leistungssport, Essstörungen, Schichtarbeit, Berufe wie Flugbegleiter – besonders bei Langstreckenflügen, Schilddrüsenerkrankungen oder deren Behandlung und nicht zuletzt die meisten Schwangerschaftsverhütungsmittel, wie die Pille oder eine Spirale.

Ayurwedische Anleitung für das Verhalten während der Periode

Die vedischen Skripten besagen, dass eine Frau während er ersten drei Tage ihrer Periode nicht die Haare waschen darf und auch nicht Duschen oder Baden soll. Das Waschen mit Seife und Waschlappen ist erlaubt. Der Fluss der Energien darf nicht gestört werden. Deshalb muss auch auf Sex während der Periode verzichtet werden.

Eine menstruierende Frau darf keine Arbeit ausführen, sondern muss sich schonen. Leichte Spaziergänge und beruhigende Asanas sind erlaubt, aber aktivierende Asanas wie im Sonnengruß sind kontraindiziert.

Die Frau sollte während ihrer Periode auch keine Massagen geben oder bekommen.

Sorgen, Ängste und Ärger stören das hormonelle Gleichgewicht und erhöhen Vata Dosha. Es gilt sie zu vermeiden.

Was kann ich tun, um meine Doshas zu balanzieren, die Shrotasas zu reinigen und die Dhatus zu nähren?

Im Allgemeinen sollten Sie es vermeiden tagsüber zu schlafen, oder viel zu sitzen, besonders in der Woche vor der Periode. Ihren natürlichen Trieben wie Stuhlgang und Harndrang sollte baldmöglichst nachgegeben werden. Sie sollten auch nicht hungern oder dürsten. Auch das Unterdrücken der Sexualität ist nicht sinnvoll, aber auch übermäßger Sex ist schädlich, da hier die Energie im Sexualchakra gefangen bleibt.

Wenn Sie Mensturationsstörungen haben, machen Sie eine kleine Fastenkur, wie zum Beispiel meine einwöchige Frühjahrs- und Herbstkur.

Fasten Sie immer einen Tag die Woche mit warmen Ingwerwasser. Dazu geben Sie bitte 2 Teelöffel Ingwerpulver (nicht frischen Ingwer) in 3 Liter Wasser und lassen es zirka 20 Minuten köcheln. Trinken Sie jede Stunde eine Tasse voll. Falls Sie es nicht schaffen den ganzen Tag ohne Essen durchzuhalten, beschränken Sie sich bitte auf leichte Gemüsesuppen ohne Kartoffeln.

Um das Hormonsystem bei Periodenschmerzen zu unterstützen weichen Sie

  • 1 TL gemalenen Kreuzkümmesamen (Cumin)
  • ¼ Tl gemalen Dillsamen
  • 1 TL Jaggary (ein Zucker)

über Nacht in einer Tasse Wasser ein und trinken Sie das am morgen.

Bei einer zu schwachen Periode hilft dies auch, nur sollten Sie hier auch täglich den oben genannten Ingwertee während des gesamten Tages trinken.

Dieser Ingwertee wirkt auch gegen Endometriose, aber natürlich nicht ohne Medikamente und andere Unterstützung.

Bei Menorrhagie, also zu starken Perioden, weichen Sie 10 getrocknete schwarze Rosinen über Nacht ein und essen sie am morgen. Nach einiger Zeit ein Teelöffel Ghee mit ½ Teelöffel Rohzucker in einer Tasse warmen Kuhmilch trinken.

Wenn das alleine nicht reicht, um die Störung zu beseitigen, begeben Sie sich bitte in die Hände einer oder eines kompenten Vaiya und machen Sie was sie sagen. Menstruationsstörunge SIND HEILBAR!

Schreibe einen Kommentar